Donnerstag, 29. Mai 2025

Heimreise mit schwerem Herzen

Auch wenn ich nur ungern abreise – Venedig lässt mich nie leicht los – zieht es mich jetzt nach Hause. Meine Mutti will ich sehen und drücken. Sie ist momentan eine „arme Haut“, wie wir Wienerinnen sagen. Und genau deshalb ist es Zeit, bei ihr zu sein.

Venedig bleibt – und ich komme wieder im September. Wie immer. Wie nach Hause.






Für dich, liebe Mutti

Liebe Mutti, ich habe viel an dich gedacht. In der stillen Kirche von San Giorgio Maggiore habe ich eine kleine Kerze für dich entzündet – ein Licht der Hoffnung. Möge das Universum dir Kraft schicken, genau dorthin, wo du sie gerade brauchst. Du warst mit mir, in jedem Schritt.



San Giorgio – Baustelle, Bilder, Blickwinkel

Die Anreise zur Insel San Giorgio Maggiore war heute etwas abenteuerlich – wegen Bauarbeiten an der Anlegestelle mussten Wartezeiten in Kauf genommen werden. Doch es lohnte sich.
In der Kirche San Giorgio: ungewohnter Anblick. Die berühmten Tintoretto-Gemälde an der Kanzel wurden abgenommen, derzeit hängen dort Fotografien aus den 1950er-Jahren. In der Sakristei aber geschieht etwas Besonderes – hier wird Tintoretto restauriert, und das Publikum darf zusehen. Selten sieht man so unmittelbar, wie Kunst mit viel Aufwand und Liebe bewahrt wird.



Die Fondation Cartier zeigt visionäre Architekturprojekte aus Paris – ein inspirierender Blick in mögliche urbane Zukünfte.




Im Glasmuseum auf San Giorgio beeindruckte die Ausstellung „Il Vetro di Murano e la Biennale di Venezia (1932–1942)“. Eine gelungene Zusammenschau von Glaskunst und Geschichte und die Nähe zur Biennale.







Ein Highlight: Robert Mapplethorpe – Le forme del classico. Seine fotografische Strenge und Schönheit haben ohne Zweifel auch meinen Robert tief beeinflusst.






Und zum Abschluss: Maurizio Galimberti mit seinen Polaroid-Werken. Verspielt, virtuos, fantastisch.






Ein Spaziergang über die stille Giudecca – fast dörflich, weit weg vom Trubel. Bei Sirene Blu habe ich mir feine Kosmetika gegönnt – Schminkprodukte mit großer Wirkung. Mit der Linie 2 ging es dann gemütlich über den Canal Grande zurück.
Ein Stopp bei Rosa Salva für meine geliebten Rosanna-Zuckerl, beim Campo Santa Margherita ein Paar neue Ohrringe, leicht und verspielt wie Venedig selbst. Und dann ein letztes Brötchen in meiner Lieblingsbodega Gia Schiavi – einfach, ehrlich, perfekt.


Mit viel Trauer habe ich begonnen, den Koffer zu packen. Die Stadt lässt mich wie jedes Mal nur ungern gehen und ich will sie einfach nicht verlassen.

Mittwoch, 28. Mai 2025

Markuskirche und Ideen, Länder, Räume – Biennale in den Giardin

Der Morgen begann fast unwirklich: nach dem Frühstück studiere ich ein Fotobuch über Venedig und überrede meine kleine Reisegruppe die Markuskirche zu besuchen. Dieses Buch hat mir Lust dazu gemacht. Keine Warteschlange vor der Markuskirche. Kein Gedränge, kein Schieben – einfach hineingehen, still verweilen, staunen. Goldene Mosaike, die in aller Ruhe auf mich herabschauten. Venedig zeigt sich in diesen Tagen ungewohnt ruhig – und schenkt seinen Besucher:innen Momente, die man sonst kaum erlebt.









Nach dem Arsenale: ein weiterer Tag voller Eindrücke – diesmal in den Giardini. Eine Reise um die Welt, Pavillon für Pavillon.

Der spanische Beitrag war schlichtweg hervorragend – klug kuratiert, ästhetisch klar und zugleich überraschend emotional. Waagen zeigten in der einen Schale das Material und der anderen das gebaute Projekt.





Im österreichischen Pavillon schlug mein Herz ein wenig schneller: "More affordable homes for all" – mehr leistbare Wohnungen für alle. So einfach, so wichtig. Ich war stolz auf meine Heimatstadt. Und ich verstehe gut, warum unser Bürgermeister Michael Ludwig zur Eröffnung persönlich angereist ist.





Der ägyptische Pavillon brachte mich zum Schmunzeln – und zum Nachdenken. Ein Spiel: Eine Oase sollte im Gleichgewicht gehalten werden, mit Würfeln, die man auf eine große Waage legte. Eine kindlich-poetische Metapher für unser zerbrechliches ökologisches Gleichgewicht.



Venedig zeigt sich als Ort der Kontraste und Möglichkeiten – und auch als Hüterin des Wissens: Die Stadt beherbergt, kaum zu glauben, mit über 6 Millionen Objekten die größte Sammlung aller Bibliotheken der Welt.



Im deutschen Pavillon schließlich: Hitze. Städte im Ausnahmezustand. Die Folgen des Klimawandels – eindrücklich dargestellt, ungeschönt, aber nicht hoffnungslos. Was Architektur leisten kann – und leisten muss.






Es gäbe noch weitere Pavillons, die zu erwähnen wären, der polnische, australische oder britische Pavillon. 

Begonnen und beendet habe ich diesen Tag, wie es sich für Venedig gehört: in der Bar Paradiso. Zwischen Espresso, Selekt-Spritz und vorbeiziehenden Gedanken. Wunderbar. Gabi und Otto fahren nach Hause und ich genieße einen Spaziergang durch Castello.

Dienstag, 27. Mai 2025

Zwischen Ideen und Ziegelstein: Biennale im Arsenale


Der Untertitel: "Intelligens. Natural. Artificial. Collective." / "Intelligenz. Natürlich. Künstlich. Kollektiv."

Ein Besuch der Biennale Architettura 2025 im Arsenale – und wieder einmal ist sie großartig. Weitläufig, durchdacht, überraschend. Die alten Backsteinhallen voller Visionen und Fragen, die weit über Mauern hinausdenken.

Besonders spannend: der spielerische Zugang zu neuen Baumaterialien – etwa 3D-gedruckte Strukturen aus nachwachsenden Rohstoffen, erstaunlich leicht und stabil. Ein Roboter, dem man Fragen stellen konnte, antwortete in jeder Sprache – und das erstaunlich präzise. Technik und Mensch im Dialog, beinahe beiläufig.
















Ich komme mit Architektur-Student:innen aus Würzburg ins Gespräch. Einer von ihnen – wach, gesprächig, voller Begeisterung – begleitet mich gedanklich durch die Ausstellung. Wir sprechen über Städte der Zukunft, über Räume, die nicht nur nachhaltig, sondern auch menschen- und tierfreundlich sein könnten.

Ein Nachmittag, der Mut macht. Und leise Hoffnung.

Heimreise mit schwerem Herzen

Auch wenn ich nur ungern abreise – Venedig lässt mich nie leicht los – zieht es mich jetzt nach Hause. Meine Mutti will ich sehen und drück...